Hier habe ich ein paar Hinweise und Tipps zusammengetragen, die vielleicht dem einen oder der anderen von Nutzen sein können für die Planung und Vorbereitung einer Paddeltour auf der Donau. Dabei möchte ich allerdings darauf hinweisen, dass diese Aufzählung ebenso unvollständig wie subjektiv ist. Sie soll lediglich helfen, einen kleinen Überblick zu geben und dazu ein paar nützliche Links anbieten.

Kann man auf der gesamten Donau paddeln?

Abgesehen von einem auch für Paddler gesperrten Abschnitt an der oberen Donau in Baden-Württemberg, für dessen Befahrung man eine Sondergenehmigung benötigt, ist das Paddeln auf dem gesamten Fluss möglich. Ab Kelheim ist die Donau Bundeswasserstraße, es verkehren große Schiffe und es gelten die Regeln der Wasser- und Schifffahrtsämter. Aber das klingt komplizierter und umständlicher, als es tatsächlich ist.

Ist eine Fahrt auf der Donau gefährlich?

Grundsätzlich nicht. Die Donau ist – besonders in Deutschland und Österreich – stark reguliert, es gibt kein Wildwasser, aber sie ist ein großer Fluss mit zum Teil kräftigen Strömungen. Erfahrungen im Paddeln und auf Fließgewässern schaden erst einmal nicht, sind aber nach meiner Erfahrung auch nicht zwingend notwendig, wenn man vorsichtig ist und nicht zur Selbstüberschätzung neigt.

Und auch was das anscheinend unausrottbare Vorurteil angeht, dass »Osteuropa«, dass »Der Balkan« gefährlich sei, so handelt es sich dabei um nichts anderes als eben um ein Vorurteil, das aber falsch ist. Auch wenn es leider sehr Viele nach einem – meist nur sehr kurzen – Besuch gern wiederholen, Schauergeschichten erzählen und es damit immer und immer wieder aufs Neue reproduzieren. Es ist falsch! Das bestätigen im Übrigen auch immer wieder und seit Jahren die Reiseinformationen des Auswärtigen Amtes.

Welche Bücher/Karten sind empfehlenswert?

Den DKV-Führer Band 9, »Die Donau und ihre Nebenflüsse«, halte ich für eine sehr gute, ja geradezu unverzichtbare Reiselektüre. Kein Paddler und keine Paddlerin sollte ohne ihn die Donau befahren. Für Deutschland und Österreich gibt es nichts besseres, er ist hier exakt bis auf den Meter. Da stimmt alles! Für die Slowakei und Ungarn ist er sehr gut, aber die ersten kleinen, allerdings eher unbedeutenden Fehler schleichen sich ein.

Bis zur ungarisch-kroatisch-serbischen Grenze gibt es handgezeichnete, aber exakte Flussverlaufsskizzen, und die Schleusen sind mit kleinen Karten versehen. Je weiter es nun flussabwärts geht, um so unvollständiger, kürzer und fehlerhafter werden die Informationen. Er bleibt aber ein praktikables Hilfsmittel bis zur Mündung. Lediglich die Landesinformationen sind ziemlicher Unfug.

Was diesen Punkt angeht, sind die Radwanderkarten von Bikeline »Donau-Radweg 4. Von Budapest nach Belgrad« und »Donau-Radweg 5. Von Belgrad zum Schwarzen Meer« allerdings ganz ausgezeichnet und auf dem neuesten Stand. Zudem sind die Karten sehr exakt, allerdings stimmt die Lage der eingezeichneten Inseln nicht in jedem Fall, sie haben häufig lediglich illustrierenden Charakter. Zudem fehlen die Karten ab etwa Silistra, da der Radweg ab hier eine Abkürzung zum Meer nimmt.

Wie sind die Strömungsverhältnisse?

Die Strömung der Donau ist abhängig vom Wasserstand, der im Laufe des Jahres und von Jahr zu Jahr stark schwanken kann. Je mehr Wasser fließt, um so stärker ist die Strömung. Im Frühjahr ist der Wasserstand in der Regel höher als im Spätsommer, und somit ist auch die Strömung stärker.

Zudem fließt das Wasser aufgrund des stärkeren Gefälles am Oberlauf schneller als am Unterlauf. Grob kann man von einer Fließgeschwindigkeit am Oberlauf, bis zum Beginn des Rückstaus von Čunovo kurz hinter Bratislava, von 6 bis 7 Kilometern in der Stunde ausgehen, von dort bis zum Beginn des Rückstaus von Đerdap I von etwa 4 bis 5 km/h, und am Unterlauf sind es in der Regel nur noch 2 bis 3 Kilometer in der Stunde.

Vor den Staustufen allerdings staut sich das Wasser und die Fließgeschwindigkeit verringert sich bis zum völligen Stillstand. Dieser Rückstau kann oft mehrere Kilometer betragen.

Zudem strömt die Donau - wie alle Flüsse - nicht gleichmäßig. Je nach dem aktuellen Gefälle wechseln stärker mit schwächer strömenden Abschnitten. Dieser Wechsel kann sehr abrupt erfolgen.

Wie funktioniert das eigentlich an den Schleusen?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man lässt sich schleusen, oder man muss das Boot neben der Schleuse umtragen. Das an sich etwas bequemere Schleusen bedeutet allerdings oft stundenlange Wartezeiten. Keine Schleuse wird wegen eines einzelnen Paddlers bedient, sondern man wird lediglich mit der Großschifffahrt mitgeschleust. Manchmal ist es also sinnvoller und schneller, das Boot umzutragen. In Österreich gilt in allen Schleusen Rettungswestenpflicht!

Die Schleuse Čunovo muss umtragen werden, und da die Karte im DKV-Führer an dieser Stelle etwas unübersichtlich ist, habe ich hier mal einen google-earth-Screenshot mit dem etwa 200 m langen Umtrageweg eingefügt.

In Đerdap I und II wird nur am - in Fließrichtung gesehen - linken, dem rumänischen Ufer zu Tal geschleust.

Kann man baden in der Donau?

Die Wasserqualität der Donau ist – trotzdem der Fluss den größten Verschmutzer des Schwarzen Meeres darstellt – in der Regel und an den meisten Stellen zufriedenstellend bis gut. Zudem nehmen die Einleitungen von Abwässern mit dem Bau von weiteren Kläranlagen tendenziell generell ab. Auch ist die Selbstreinigungskraft des Flusses enorm, und ein paar Kilometer hinter auch sehr massiven Einleitungen ist das Wasser schon wieder relativ sauber. Häufig sieht man – wenn es die Uferbedingungen zulassen – Badende, und es ist durchaus möglich, in der Donau zu schwimmen und sich abzukühlen.

Welche Grenzkontrollen sind zu erwarten?

Die Donau als der Fluss mit den meisten Anrainerstaaten der Welt ist damit zu einem großen Teil auch ein Grenzfluss.

Von Deutschland bis zur ungarisch-kroatisch-serbischen Grenze gibt es keine Kontrollen mehr, alle Staaten gehören zum Schengener Raum und der Grenzübertritt ist so problemlos wie der von Baden-Württemberg nach Bayern.

In Mohács muss man erstmals seine Ausreise aus Ungarn melden. Die Polizeistation befindet sich am rechten Flussufer direkt neben der Schiffsanlegestelle.

Ein paar Kilometer darauf muss man am linken Ufer in Bezdan/Бездан in Serbien seine Einreise melden. Dort liegt ein Schiff mit der Aufschrift »LUKA Bezdan/ЛУКА Бездан«, die Grenzkontrollstation. Ebenso sollte man sich im ersten Ort bei den kroatischen Behörden anmelden.

Dann folgt die Ausreise aus Serbien in Prahovo/Прахово, die Einreise nach Bulgarien in Vidin/Видин, die Ausreise aus Bulgarien in Silistra/Силистра und die Einreise in Rumänien am rechten Ufer ein paar Kilometer hinter der Grenze.

Eine Einreise nach Moldawien ist nicht möglich, da das moldawische Ufer nur ein paar hundert Meter breit ist und an dieser Stelle ein Hafen errichtet wird. Hier sollte man sich am rechten, am rumänischen Ufer halten.

Die Einreise in die Ukraine ist unter Umständen möglich, allerdings sollte man sich auf längere Wartezeiten von mehreren Stunden in Reni/Рени einstellen. Die Befahrung des Kilija-Arms setzt zwingend einen ukrainischen Einreisestempel im Pass voraus. Ohne Stempel wird man gezwungen, unter Aufsicht eines Polizeibootes zurückzupaddeln, und die Kontrollen sind ebenso häufig wie gründlich.

Diese Dinge können sich allerdings auch ändern, und ein Blick auf die Reiseinformationen des Auswärtigen Amtes ist vor einer Reise auf jeden Fall eine gute Idee.

Und wie ist das mit den Mücken?

Das ist von Jahr zu Jahr und auch von Gegend zu Gegend verschieden.

Generell gibt es in der Nähe von Gewässern immer auch Mücken. Bei Hochwasser und Überschwemmungen sind es mehr, in trockenen Jahren eher weniger, und ganz verschont bleibt man nie von ihnen.

Der große Vorteil am Paddeln ist, dass sich Mücken nie auf dem Wasser und in der prallen Sonne aufhalten. Ein paar Meter vom Ufer entfernt ist man selbst bei der größten Plage in Sicherheit. Das ändert sich an Land. Mücken sitzen gern im schattigen Unterholz, und in der Morgen- und Abenddämmerung kann es schon mal sehr unangenehm werden. Ein Feuer hilft nur bedingt, und auch dann nur, wenn man sich genau in den Qualm setzt, das ist also auch nicht die Lösung. Günstiger ist die Lage meist in Städten, auf einer leicht windigen Anhöhe, oder wenn man das Zelt auf einem kurzen Rasen aufbauen kann, was leider nicht immer möglich ist. Der Trost: Spätestens, wenn es ganz dunkel ist, gehen auch die Mücken schlafen.

Es empfiehlt sich also auf jeden Fall, ein Mückenspray dabeizuhaben, besser gleich zwei oder drei Fläschchen, denn das hier übliche Autan bekommt man nicht überall, und die Wirksamkeit der verschiedensten Mittel, die man stomabwärts kaufen kann, ist sehr unterschiedlich.

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© Daniel Weißbrodt