»Die 500 Meter Regensburg hebelten mich aus«

Dokumentarfilmer Daniel Weißbrodt über die längste Paddelwanderfahrt der Welt

Lustig ist das Dokumentarfilmer-Leben: Hier lässt sich Daniel Weißbrodt einfach mal mitnehmen. Aber er paddelt auch selbst.

 

Die Tour International Danubien führt über 2.500 Kilometer die Donau entlang. Der Leipziger Historiker Daniel Weißbrodt ist mitgefahren und hat einen Dokumentarfilm daraus gemacht.

 

kreuzer: Wie fühlen sich 2.500 Kilometer in den Armen an?

DANIEL WEISSBRODT: Das geht eigentlich, anfangs hat die Donau doch noch gut Strömung. Es gibt zwar am Anfang recht viele Schleusen und dazwischen steht das Wasser, aber insgesamt fließt es gut. Man kommt also rein und die Tagesetappen von durchschnittlich 50 Kilometern sind auch nicht so lang, dass man völlig groggy ankommt.

 

kreuzer: Sie waren immer schon begeisterter Kanut?

WEISSBRODT: Überhaupt nicht. Ich habe auf dem Dachboden ein altes Faltboot gefunden. Und da dachte ich mir: Boot, Sommer, Urlaub, das ist eine gute Mischung. Die Donau habe ich gewählt, weil ich mich sowieso für Osteuropa interessiere und gern dort bin. Sie ist für mich der exotischste Fluss der Welt, kein anderer hat zehn Anrainerstaaten. Dann hatte ich von der Tour International Danubien gehört, die seit 1969 über den Eisernen Vorhang hinwegführt. Das reizte mich.

 

kreuzer: Sie hatten vorher schon Filmerfahrung?

WEISSBRODT: Überhaupt nicht. Aber ich wollte das mal ausprobieren. Ob ich das schaffe, war natürlich unklar.

 

kreuzer: Dafür sind viele poetische Bilder gelungen. Besonders die Ruhe des Kanus ist gut eingefangen. Wie sind Sie vorgegangen?

WEISSBRODT: Ich wollte irgendwie das Gefühl dieser Reise vermitteln, habe daher viele Detailaufnahmen und schöne Landschaftsbilder gesucht. Für die Kanuperspektive habe ich die Kamera vorn aufgeschraubt. So sind 42 Stunden Material zusammengekommen. Beim Schneiden bin ich der Dramaturgie von Texten gefolgt, habe mich an Filmästhetiken orientiert und Fachliteratur gelesen, um nicht jeden Anfängerfehler zu machen.

 

kreuzer: Sie sind eigentlich Wissenschaftler. Auszusetzen und zu sagen, jetzt mache ich eine Reisedokumentation, klingt etwas wahnsinnig.

WEISSBRODT: Das freut mich zu hören. Ich habe bis letztes Jahr an einer Nietzsche-Edition gearbeitet. Die Gelder bei diesem Drittmittelprojekt liefen aus und ich dachte mir, einen so langen freien Sommer bekomme ich nie wieder und habe einen Gründerzuschuss beantragt. Anfang dieses Jahres habe ich eine Crowdfunding-Aktion gestartet, um die Zeit bis zur Premiere für den Schnitt zu finanzieren.

 

kreuzer: Warum ist eigentlich die Durchfahrt durch Passau nicht zu sehen, die ein Interviewter als schönste Stelle beschreibt?

WEISSBRODT: Ich bin 2013 erst kurz hinter Passau eingestiegen und habe die deutsche Etappe in diesem Jahr nachholen wollen. Ich bin insgesamt 4.600 Kilometer auf der Donau gefahren, alles ohne Probleme. Aber nach 500 Metern in Regensburg hat es mich ausgehebelt. Ich bin gekentert, die Kamera war kaputt. Die Steinerne Brücke ist aber auch ein fieses Ding – und ich hatte viel Publikum. Leider habe ich bei Youtube & Co keinen Clip mit meinem Kentern gefunden.

 

Tobias Prüwer im KREUZER Leipzig 11/2014

 

- Daniel Weißbrodt: »Die Völkerverständigung, die klappt ganz gut...« Ein Film

  über die Tour International Danubien

- Premiere: 18. 11., 20 Uhr, Schaubühne Lindenfels

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