Crowdfunding Interview: »Die Völkerverständigung, die klappt ganz gut…«

Dieses Jahr findet die Tour International Danubien – die längste Wasserwanderfahrt der Welt – bereits zum 60. Mal statt und Filmemacher Daniel Weißbrodt finanziert bereits sein zweites Projekt auf VisionBakery. »Die Völkerverständigung, die klappt ganz gut…« über die TID entstand 2013 und nun sollen noch mehr Menschen in den Genuss dieses Dokumentarfilm kommen können. Wir haben mit Daniel über die TID und sein Projekt gesprochen und herausgefunden, was das alles mit Schneewittchenkuchen zu tun hat.

Du bezeichnest Dich selbst ungern als Paddler. Wie bist Du dann ausgerechnet auf die Idee gekommen, die gesamte Donau hinab zu paddeln?

 

Es war vor allem die Tatsache, dass die Donau nach Südosten fließt. In diesem Teil Europas bin ich schon oft gewesen, und ich bin immer wieder gerne dort. Auf dem Dachboden hatte ich ein altes Faltboot gefunden, und der Gedanke, mit dem Boot langsam und lange unterwegs zu sein, dabei kleinere und größere Orte zu besuchen, in die man mit einer anderen Art des Reisens niemals gelangen würde, der hat mich sehr gereizt. Zudem ist die Donau – kein Fluss auf der Welt hat auch nur annähernd so viele Anrainerstaaten – für mich der exotischste Fluss der Welt. Alle paar hundert Kilometer eine neue Grenze, ein neues Land, eine neue Sprache, das finde ich ungeheuer faszinierend. Die Gewässereigenschaften und die Strömungsverhältnisse, die Fließgeschwindigkeit und solche Sachen, das war für mich völlig nebensächlich, das interessierte mich, wenn überhaupt, nur ganz am Rande. Das war ziemlich naiv.

 

Was ist das Besondere an der Tour International Danubien?

 

Die Tour International Danubien, kurz TID, ist die längste, die älteste und trotzdem – außerhalb von den Paddlerkreisen selbst – wohl unbekannteste Paddeltour der Welt, die alljährlich im Sommer auf der Donau stattfindet. Die TID startet Ende Juni in Ingolstadt, sie führt in elf Wochen über 2.500 km durch acht Länder und endet Anfang September in Sfântu Gheorghe, Rumänien, am Schwarzen Meer.

In diesem Jahr findet nun schon die 60. TID statt, begonnen hatte alles 1956, als eine kleine Teilbefahrung zwischen Bratislava und Budapest. Aber schon 1969 startete die TID in Ingolstadt, Flusskilometer 2.455, und führte lange Zeit bis Silistra, Bulgarien, km 375.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: 20 Jahre vor dem Fall des Eisernen Vorhangs kommen da ein paar Verrückte und sagen: »Ach, eure komischen Grenzen, die interessieren uns nicht, und ach ja, wo gibt’s nochmal die Visa? Uns interessiert allein der Fluss.« Das war ja ein ungeheurer bürokratischer Aufwand damals! Das wichtigste Ziel der TID war und ist die Überwindung von Grenzen, die gegenseitige Akzeptanz ungeachtet aller kulturellen, sprachlichen und religiösen Unterschiede und das gegenseitige Kennenlernen. Das finde ich äußerst faszinierend, und es nötigt mir den höchsten Respekt ab, so etwas in der Hochzeit des Kalten Krieges unbeirrt durchzuziehen und eine Tradition zu begründen, die nun schon ein gutes halbes Jahrhundert existiert und nach wie vor äußerst lebendig ist.

 

Wann und warum hast Du Dich dazu entschlossen einen Film über die Tour zu machen? Eigentlich bist Du ja Wissenschaftler und kein Filmemacher.

 

Es war ein Versuch, entstanden aus einer Schnapsidee. Ein Versuch, der geklappt hat. Die technischen Möglichkeiten sind heute – vor zehn oder fünfzehn Jahren noch wäre eine solche Idee nicht umsetzbar gewesen – so, dass ich es wagen konnte, dieses Experiment anzugehen.

Nach der ersten Tour schon hatte ich angefangen, Literatur über die Donau zusammenzusammeln, ich habe mich ein bisschen eingelesen, das Interesse war geweckt, und dann stößt man über kurz oder lang auch auf die TID. Und so bin ich 2013 mitgefahren, diesmal am Stück, von Deutschland bis ans Meer, ich wollte einen Dokumentarfilm über die TID machen, habe eine Kamera mitgenommen, Interviews mit einigen der Paddler geführt, die die Gesamtstrecke gefahren sind, und habe schöne Detail- und Landschaftsaufnahmen gesucht. Wann hat man schon einmal die Möglichkeit, etwas zu machen, das es so noch nicht gegeben hat und was kaum jemand kennt, obwohl es eine absolut faszinierende Geschichte ist? Ein Film über die TID, das war ein solches Novum.

 

Letztes Jahr hast Du die Fertigstellung des Films „Die Völkerverständigung, die klappt ganz gut…“ erfolgreich mit Hilfe der Crowd finanzieren können. Warum hast Du Dich für diesen Weg der Finanzierung entschieden?

 

Als sich abzeichnete, dass das Material sowohl von der Menge – ich hatte 42 Stunden Aufnahmen mit nach Hause gebracht – als auch von der Qualität ausreichend ist, einen Film daraus zu machen, und als der Rohschnitt schon ganz gut aussah, habe ich das Crowdfunding gestartet. Ich finde, dass das eine gute Möglichkeit ist, ein Projekt zu finanzieren. Wenn viele Menschen sagen: »Ja, ich bezahle heute beispielsweise eine DVD oder eine Premierenkarte, erhalte sie in einem halben Jahr, und mit meiner Vorfinanzierung entsteht ein Film, den es ansonsten nicht geben würde«, dann ist das eine ganz feine Sache. Hier finden sich Gleichgesinnte, die gemeinsam etwas auf die Beine stellen, das eben nur durch die Crowd, durch den Schwarm, entstehen kann.

 

Momentan kann man Dein zweites Projekt unterstützen. Erklär uns doch um was es dabei geht!

 

Vor knapp anderthalb Jahren habe ich die Postproduktion des Films »Die Völkerverständigung, die klappt ganz gut…« Ein Film über die Tour International Danubien per Crowdfunding bei der Visionbakery erfolgreich finanzieren können und auch eine kleinere Auflage der DVDs herstellen lassen, die nun aber vergriffen ist. Nun möchte ich die 2. Auflage ebenfalls per Crowdfunding finanzieren.

 

Da Du ja schon ein alter Crowdfunding-Hase bist, hast Du sicherlich ein paar Tipps & Tricks für zukünftige Crowdfunder, oder?

 

Jede Aktion ist sicherlich einzigartig, aber ein paar Dinge gleichen sich schon: Der Zeitaufwand ist jedenfalls immens! Mindestens zwei Stunden täglich sollte man dafür schon einplanen. Und sich nicht entmutigen lassen, wenn es mal stagniert und nicht vorwärts geht. Abgerechnet wird am letzten Tag, das sollte man sich immer vor Augen halten bei dieser emotionalen Achterbahnfahrt, die man in dieser Zeit durchleidet.

Auf jeden Fall kann ich empfehlen, die sehr gute und professionelle Beratung, die man bei der Visionbakery erhält, zu nutzen, gemeinsam mit dem Team kann man viel erreichen, Möglichkeiten besprechen, die Besucherzahlen auf der eigenen Seite auswerten, und Wege zum Ziel suchen. Aber letztlich ist auch immer viel Glück dabei, und von einem Fehlschlag sollte man sich nicht entmutigen lassen.

 

Wie sieht Deine Paddel-Zukunft aus? Hast Du vor noch einmal die Donau hinunter zu paddeln oder hast Du erst mal andere Ziele?

 

Die Wiederholung des immer Gleichen, auch wenn es beide Male eine großartige Reise gewesen ist, wäre mir dann doch nichts. Zumindest nicht in nächster Zeit. Ich glaube, ich werde mich nun erst einmal wieder einem anderen Thema zuwenden, ich habe schon ein paar Ideen im Hinterkopf, derzeit schreibe ich bereits an einem weiteren Drehbuch, aber es steht noch in den Sternen, ob es umgesetzt werden kann. Nur so viel: Mit Paddeln oder der Donau hat es diesmal nichts zu tun.

 

Zum Schluss musst Du uns noch verraten, was es mit dem Schneewittchenkuchen auf sich hat!

 

Für die Tour International Danubien hatte ich mir ein Boot gebaut. Es gibt vorgefertigte Bausätze, und ich hatte es für meine Zwecke ein wenig modifiziert, aus dem Zweier einen Einer gemacht, die Luke verkleinert und eine Steueranlage angebracht. Als das Boot fertig war, habe ich meine Freunde zur Probefahrt eingeladen, einige haben sich hineingesetzt und es ausprobiert, wir tranken Bier und hatten einen schönen Abend. Irgendwann kam jemand auf die Idee, dass so ein Boot ja auch einen Namen braucht. Ich hatte bislang noch gar nicht daran gedacht, aber der Gedanke gefiel mir, und leichtsinnigerweise habe ich gesagt: »OK, stimmen wir ab!« Jemand sagte: »Donauwelle«, und ein anderer: »Das ist doch nur ein anderes Wort für Schneewittchenkuchen!« Und diesen Namen fand dann die Mehrheit, sie hatten ja auch alle schon ein paar Bier intus, so lustig, dass er bei der Abstimmung gewann. Ich hatte es versprochen, also blieb es dabei, und das Boot heißt nun »Schneewittchenkuchen«, auch wenn ich den Namen eigentlich gar nicht wirklich mag…

 

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© Daniel Weißbrodt